Nathalie J. Sameli

Stadt-Krimi-Erfinderin Nathalie Sameli

über CEO-Entführungen,
26 selbst geschriebene Krimis
und die Kunst immersiver Team-Events in der Schweiz.

Im Interview

Nathalie Sameli, Erfinderin von Stadt-Krimi, bei einem immersiven Krimi-Event

„Mach deine Träume zehnmal grösser“

Nathalie Sameli über Mord, Mut und die Magie immersiver Krimi-Events

Sie ist Juristin, Schauspielerin und die Erfinderin des Stadt-Krimi-Formats:

Nathalie Sameli inszeniert seit über 15 Jahren Verbrechen, die niemandem wehtun – und allen in Erinnerung bleiben. Ein Gespräch über CEO-Entführungen, spirituelle Unternehmer und einen Mann, den sie morgens aus einer Produktion werfen und abends heiraten musste.

"Nathalie J. Sameli"

CEO & Founder

von THE SAME Productions & Films und THE SAME Adventures GmbH

Nein, das tatsächlich nicht. (lacht) Ich bin ursprünglich Schauspielerin und Juristin – und ich habe Krimis schon immer geliebt. Als Kind wollte ich Detektivin werden. Nach dem Jurastudium habe ich ein Volontariat gemacht und dabei sehr schnell gemerkt: Ich möchte auf keinen Fall den ganzen Tag als Juristin arbeiten. Also habe ich mich stärker auf meine Schauspielprojekte konzentriert und bin dann eher zufällig in eine Krimi-Dinner-Produktion gerutscht. Die Basler Schifffahrtsgesellschaft hatte damals eine Produktion namens „Mord an Bord“, und ich wurde angefragt, ob ich das übernehmen könne. Das war der Anfang von allem.

Ganz am Anfang hatte ich enorm Mühe damit, gleichzeitig Regie zu führen, die Krimis zu schreiben und selbst mitzuspielen. Ich habe deshalb anfangs nur kleine Rollen übernommen, weil es sonst einfach zu stressig war. Heute ist das anders – mittlerweile spiele ich richtig gerne die Hauptrollen in meinen eigenen Krimis.

Eine Geschichte ist mir aber besonders im Gedächtnis geblieben. Ich hatte einen Schauspieler, der kurzfristig absagte, weil sein bester Freund heiratete. Ich musste ihn deshalb aus einer Produktion nehmen. Das Pikante daran: In einer anderen Produktion spielte derselbe Mann zur gleichen Zeit meinen Verlobten. Ich musste ihn also tagsüber als Chefin aus einem Projekt werfen – und abends glaubwürdig seine Verlobte spielen. Da habe ich gelernt, was professionelle Distanz wirklich bedeutet.

Es gibt so viele schöne Momente. Das Allerschönste ist immer der Schluss: wenn die Ermittlerinnen und Ermittler mit leuchtenden Augen dastehen und sich gegenseitig erzählen, was sie erlebt haben – wie kleine Kinder.

Ein wirklich grosses Erlebnis war eine Jubiläumsveranstaltung mit rund 100 Personen, zweisprachig deutsch-französisch, über zwei volle Tage. Das war eine komplette CEO-Entführung – natürlich vollständig inszeniert und mit dem Unternehmen abgestimmt – mit Schnitzeljagd, Lösegeldforderung und der Befreiung der CEOs im Estrich des Hotels, gefolgt von einem zweitägigen Krimi-Event. Eine riesige Produktion. Einfach genial.

Es gibt drei Klassiker. Erstens die Zeit: Viele wollen nicht so viel investieren und kürzen den Event auf zweieinhalb bis drei Stunden – und beklagen sich hinterher, dass es zu wenig war. Das Problem ist: Beim Ermitteln vergeht die Zeit unglaublich schnell.

Zweitens das Budget. Manche möchten heute mit 70 bis 100 Franken pro Person ein komplettes Krimi-Event inklusive Essen organisieren. Das ist in der Schweiz kaum realistisch. Allein gutes Essen kostet oft schon 35 bis 120 Franken, und Krimi-Events sind sehr personalintensiv.

Und drittens: Viele möchten den Event als Überraschung fürs Team planen. Für manche Menschen ist das grossartig – andere wären dankbar, wenn sie sich mental ein wenig darauf vorbereiten könnten. Da lohnt sich ein ehrlicher Blick aufs eigene Team.

Sehr viel. Ich habe Drehbuchschreiben gelernt und dadurch das Handwerk wirklich verstanden. Inzwischen habe ich 26 Krimis geschrieben, dazu zahlreiche 20-Minuten-Geschichten, Artikel und Drehbücher. Meine Geschichten sind bewusst vielschichtig aufgebaut: Es gibt einen Hauptstrang, mindestens zwei Side-Stories, manchmal bis zu sieben Nebengeschichten. Die werden ineinander verwoben und nach und nach ausgerollt.

Durch das Jurastudium denke ich sehr analytisch – zuerst der Sachverhalt, dann die Bewertung. Ich kenne mich mit Delikten und Ermittlungslogik aus und suche immer die Balance zwischen Realität und Unterhaltung. Wichtig ist mir, sexuelle Gewalt möglichst zu vermeiden, weil viele Menschen damit traumatische Erfahrungen verbinden. Meine Fälle sind bewusst humorvoll, unterhaltsam und manchmal absichtlich überzeichnet. Krimi-Comedy mit Tiefgang, könnte man sagen.

Mehrmals sogar. Einmal sagte jemand: „Das war das Highlight der letzten 20 Jahre.“ Und kürzlich erhielten wir die Rückmeldung: „Das war der beste Team-Event, den wir je gemacht haben.“

Besonders schön sind die kleinen Spuren, die bleiben. Wir verteilen manchmal Ermittler-Schlüsselanhänger oder Dienstausweise. Eine Mitarbeiterin von mir kam Jahre später in eine Firma – und dort hing immer noch unser Zertifikat in der Cafeteria. Oder Mitarbeitende erzählen neuen Teammitgliedern von legendären Krimi-Events, bei denen die Neuen gar nicht dabei waren.

Mein liebstes Erlebnis: Ein langjähriger Schauspieler und ich standen einmal komplett verkleidet am Bahnhof Olten und machten Werbung für eine Krimi-Comedy. Ein Mann erkannte uns trotzdem und rief: „Hey, ihr seid doch die vom Tatort Vierwaldstättersee!“ Da merke ich immer wieder, wie tief sich diese Erlebnisse einprägen.

Gleich mehrere. Viele Kundinnen und Kunden buchen heute zum ersten Mal ein immersives Event und sind unerfahren. Deshalb bauen wir unseren Service massiv aus: Wir übernehmen auf Wunsch die Restaurantreservation, den Kontakt mit der Location, die gesamte Organisation und die Abstimmung mit Hotels oder Restaurants – damit die Kundschaft möglichst wenig Aufwand hat.

Sehr beliebt sind immersive Live-Interaktionen: CEO-Entführungen, Verhaftungen von Mitarbeitenden, Überraschungsaktionen, Undercover-Momente. Parallel arbeite ich an einer KI-gestützten Kriminalakte-App. Darin sollen die Teilnehmenden mit einer Ermittlungszentrale chatten, Hinweise analysieren, Alibis überprüfen und Beweise ins Labor schicken können. Die KI reagiert blitzschnell, liefert hochwertigen Support und erzeugt noch mehr Immersion. Mein Ziel ist ein Erlebnis, das sich anfühlt wie ein interaktiver Netflix-Thriller.

Und dann plane ich ein echtes Premium-Projekt: ein viertägiges immersives Agenten-Erlebnis auf einer privaten Insel in Kroatien. Mit Agententraining, Geheimschriften, Schusstraining, Tauchgängen, Verfolgungsjagden, Helikopter-Missionen und einer luxuriösen Party. Die Teilnehmenden sollen mitten in eine echte Agentenwelt eintauchen.

Ich musste persönlich enorm wachsen. Gerade am Anfang sass ich oft mit älteren, männlichen Teamleitern, CEOs und Entscheidern zusammen. Ich musste lernen, klar aufzutreten, Businesssprache zu sprechen und mich durchzusetzen. Gleichzeitig habe ich sehr tiefe Einblicke in Firmenkulturen und Teams bekommen.

Mein grösstes Learning: Die wirklich erfolgreichen Menschen sind oft sehr stimmig mit sich selbst – und erstaunlich viele davon sind spirituell. Früher konnte ich Business und Spiritualität überhaupt nicht zusammenbringen. Heute sehe ich darin einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren.

Alles ist möglich. Die meisten Menschen denken viel zu klein. Deshalb mein Rat: Mach deine Träume zehnmal grösser. Und wenn das geht, nochmal zehnmal grösser. Unsere Grenzen liegen meistens nur in unserem Denken. Leb deine Ideen, Wünsche und Visionen wirklich kompromisslos aus – genau dort entstehen die aussergewöhnlichsten Erlebnisse.

Nathalie Sameli ist Gründerin von Stadt-Krimi und Erfinderin der Formate Stadt-Krimi, Krimi-Dinner und Online-Krimi. Mit ihrem Team aus rund 250 Schauspielerinnen und Schauspielern inszeniert sie massgeschneiderte Krimi-Events, Teamevents und immersive Erlebnisse in der ganzen Schweiz und im DACH-Raum.

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